Rinderfond selber machen: Flüssiges Gold im Glas (Einfach & ehrlich erklärt)

Es gibt Wochen, da läuft alles nach Plan, und es gibt Wochen wie diese. Mich hat eine heftige Grippe erwischt – so richtig mit Fieber und Bettruhe. Aber wie das Leben so spielt, passierte das genau dann, als meine halbjährliche Fleischlieferung ankam. Wenn du mir schon länger folgst, weißt du: Ich beziehe mein Rindfleisch von einer ganz tollen Quelle hier aus der Region – einem Bauern, bei dem ich genau weiß, wo das Fleisch herkommt. Ich bestelle dort nur zwei Mal im Jahr ein großes 10-Kilo-Mischpaket vom Bio-Angus Rind. Und weil bei mir nichts verkommen darf (“Nose to Tail”!), bestelle ich die Knochen natürlich immer mit. Diesmal war es eine ordentliche Ladung: 10 Kilo Fleisch und 6 Kilo Knochen.

Aus Fehlern lernt man: Vom Umzugs-Chaos zum 13-Liter-Topf
Vielleicht erinnerst du dich an mein YouTube-Video vom Juni? Da habe ich schon mal Rinderfond gekocht. Damals war das eine absolute Stress-Situation: Wir waren gerade erst ins Haus gezogen, die Küche war noch die alte und der Boden teilweise sogar schon rausgerissen… es war das pure Chaos und ich wollte trotzdem alles auf einmal stemmen. Damals hatte ich “nur” 3 Kilo Knochen und habe alles in meinen 8-Liter-Topf gequetscht. Das Ergebnis? Der Topf war randvoll, es bestand akute Überschwemmungsgefahr und die Ausbeute war mir am Ende einfach zu wenig. Die Gläser waren viel zu schnell leer. Daraus habe ich gelernt: Diesmal mach ich es gscheit. Ich habe mir extra einen 13-Liter-Topf zugelegt, damit die 6 Kilo Knochen auch Platz haben, um ihren Geschmack abzugeben.

Teamwork: Wenn die Frau flachliegt
Da ich mit Fieber im Bett lag, hat diesmal mein Mann die Regie in der Küche übernommen – natürlich unter meiner strengen Anleitung vom “Krankenbett” aus. Und ich muss sagen: Er hat das großartig gemacht. Er hat die Rinderknochen und das grob gewürfelte Wurzelgemüse auf zwei tiefen Backblechen im Ofen kräftig angeröstet. Das ist der wichtigste Schritt für einen dunklen, kräftigen Fond! Der Duft von geröstetem Sellerie, Zwiebeln und Rindfleisch zog schon bald durchs ganze Haus (was mir trotz Grippe schon wieder Appetit gemacht hat). Alles wanderte dann mitsamt den Gewürzen und dem wertvollen Bratensaft von den Blechen in unsere zwei größten Töpfe. Ganz wichtig dabei: Ein Schuss Apfelessig im kalten Wasser, um die Mineralstoffe aus den Knochen zu lösen. Und dann hieß es einfach nur: Warten. Wir haben den Fond über zwei Tage sanft köcheln lassen, damit wir wirklich alles Gute aus den Knochen extrahieren.

Zero Waste: Warum wir "Eiswürfel" aus Fett machen
Nach dem Abseihen haben wir die gesamte goldene Flüssigkeit in einen Topf gegeben und über Nacht kalt gestellt. Am nächsten Morgen passiert nämlich etwas Tolles: Das reine Rinderfett setzt sich oben als feste, weiße Platte ab. Viele schmeißen das weg – bitte tu das nicht! Wir haben diese Fettschicht abgeschöpft, kurz geschmolzen und in Eiswürfelformen gefüllt. Sobald die gefroren sind, hast du perfekt portionierte Würfel aus reinem Rindertalg. Es gibt nichts Besseres, um darin Fleisch anzubraten oder Bratkartoffeln zu machen.

Sicherheit geht vor: Einkochen und Hygiene
Den entfetteten Fond haben wir dann nochmals aufgekocht und in sterilisierte Weck-Gläser gefüllt. Ein Detail ist mir dabei besonders wichtig: Ich salze den Fond beim Einkochen nie. So bleibe ich flexibel. Egal ob ich den Fond später für ein Gulasch, eine Bolognese oder als Basis für eine Gemüsesuppe verwende – ich laufe nicht Gefahr, das Gericht zu versalzen. Würzen kannst du später immer noch. Ein ernstes Wort noch zum Thema Einkochen von Fleischfond (Botulismus): Da dies ein “niedrigsaures Lebensmittel” ist, muss man extrem sauber arbeiten. Gläser, Deckel und Gummis müssen ausgekocht sein. Ich werde mir keinen amerikanischen Pressure Canner (Druckkochtopf) zulegen, sondern koche klassisch im Weck-Automaten ein. Das funktioniert übrigens auch mit den hübschen Pearl Jars, die ich unbedingt mal mit meinen Weck-Gläsern mischen möchte. Aber gerade weil ich ohne Druck einkoche, gilt bei uns die eiserne Sicherheitsregel: Vor dem Verzehr wird der Inhalt jedes Glases zur Sicherheit nochmal 15 Minuten sprudelnd aufgekocht. Sollte ein Glas im Regal mal aufgegangen sein, wird der Inhalt sofort entsorgt. Zu diesem wichtigen Thema werde ich aber bald einen eigenen, detaillierten Beitrag schreiben. Es ist schon faszinierend: Da hantiert man mit riesigen Töpfen, aber weil Knochen und Gemüse so viel Platz brauchen, bleiben am Ende ‚nur‘ etwa 6 Liter purer, konzentrierter Fond übrig. Aber genau das ist für mich der Luxus daran: Es ist keine gestreckte Masse, sondern eine absolute Essenz. Ich werde diese Gläser wie einen kleinen Schatz hüten und für die wirklich besonderen Gerichte verwenden. Viel Freude beim Nachkochen!


Selbstgemachter Bio-Rinderfond (Eingekocht)
Zutaten
Zubereitung
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Rösten (Für die Farbe): Heize den Backofen auf 220°C (Ober-/Unterhitze) vor. Verteile die rohen Knochen auf ein tiefes Backblech und schiebe sie für ca. 30–40 Minuten in den Ofen, bis sie kräftig dunkelbraun sind.
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Gemüse vorbereiten: Wasche das Gemüse gründlich. Schneide Karotten, Sellerie, Lauch, Pastinake und Petersilienwurzel in grobe, faustgroße Würfel. Die Zwiebel nur halbieren – lass die braune Schale unbedingt dran, die sorgt für eine herrliche goldene Farbe im Fond!
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Gemüse mitrösten: Gib das Gemüse zu den Knochen auf das Blech und lass es für weitere 20 Minuten mitrösten.
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Topf füllen: Gib den Inhalt des Bleches (Knochen + Gemüse) in einen großen Töpfe. Ganz wichtig: Kratze den Bratensatz vom Blech mit etwas Wasser los und gib ihn dazu – das ist purer Geschmack!
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Aufgießen: Fülle den Topf mit kaltem Wasser auf, bis alles gut bedeckt ist. Gib die Gewürze, die Petersilienstängel und einen Schuss Apfelessig dazu. Nicht salzen!
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Köcheln (Geduldsprobe): Lass den Fond einmal aufkochen und schalte dann auf die kleinste Stufe zurück. Er soll nicht sprudelnd kochen, sondern nur sanft "simmern". Lass ihn so lange wie möglich ziehen (bei uns waren es 2 Tage mit Nachtpause).
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Abseihen & Kühlen: Seihe den Fond durch ein feines Sieb oder ein Tuch in einen ausreichend großen, sauberen Topf ab. Lass diesen Topf nun vollständig auskühlen (am besten über Nacht an einem kühlen Ort/Kühlschrank).
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Fett abschöpfen (Zero Waste): Am nächsten Tag hat sich das Fett als feste, weiße Schicht oben abgesetzt. Heb diese Schicht vorsichtig ab.
Tipp: Schmilz das Fett kurz in einem kleinen Topf, fülle es in Eiswürfelformen und friere es ein. Perfekt zum Anbraten!
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Abfüllen: Koche den entfetteten Fond noch einmal kurz auf. Fülle ihn heiß in absolut saubere, sterilisierte Weck-Gläser. Lass ca. 2–3 cm Platz zum Rand. Verschließe sie mit ausgekochten Gummiringen, Deckeln und Klammern.
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Einkochen: Stelle die Gläser in den Einkochautomaten. Koche sie bei 100°C für 120 Minuten ein.
Notizen
- Koche die Gläser wie oben beschrieben ein (100 °C, 120 Min.).
- Lasse die Gläser vollständig abkühlen und 24 bis 48 Stunden bei Zimmertemperatur stehen. In dieser Zeit würden eventuell überlebende Sporen auskeimen.
- Koche die Gläser nun ein zweites Mal ein (wieder bei 100 °C, diesmal reichen ca. 60 Minuten). Damit werden die ausgekeimten Bakterien endgültig abgetötet und dein Fond ist absolut sicher und lange haltbar.
Sicherheitshinweis: Da dieser Fond kaum Säure enthält und wir keinen Druckkochtopf verwenden, gilt zur Vermeidung von Botulismus die Regel: Den Inhalt des Glases vor dem Verzehr immer mindestens 15 Minuten sprudelnd aufkochen.
Verwendung: Da der Fond ungesalzen ist, eignet er sich perfekt als Basis für Gulasch, Saucen, Risotto oder als Kraftsuppe (dann im Teller salzen).
Lagerung: Kühl und dunkel gelagert halten die Gläser mehrere Monate. Kontrolliere vor dem Öffnen immer, ob der Deckel noch fest sitzt!
Mengenangaben: Die Mengen beim Gemüse müssen nicht auf das Gramm genau sein. Es ist ein Richtwert. Wer es gemüsiger mag, nimmt eine ganze Pastinake, wer den reinen Fleischgeschmack will, nimmt etwas weniger. Wichtig ist das Verhältnis von Knochen zu Wasser (ca. 1:2), damit es kräftig wird.